Editorial Marta S. Halpert
Editorial Leon Widecki
Grußbotschaften

„Das Jüdische Echo“ nach Leon Zelman

Leon Zelmans Herzensprojekt „Das Jüdische Echo“ weiterzuführen ist mehr als nur eine menschliche und berufliche Herausforderung, es ist eine ernstliche Verpflichtung und seelische Bürde. Die Jahresschrift war sein mentales Baby und seine intellektuelle Visitenkarte. Seine Botschaft war subkutan jedes Jahr gleich: Seht her, man hat uns physisch und geistig auslöschen wollen, aber wir wenigen sind noch da und bündeln unsere Kräfte.

Mit Leon Zelman konnte man herzlich lachen, heftig diskutieren und bisweilen sogar streiten. Nach dem Entschluss, das alt-neue „Jüdische Echo“ zu redigieren, habe ich überlegt, was denn Leon hier auf Erden und in seinem geliebten und gelegentlich gescholtenen Österreich, aber auch in Europa, in Israel und in der Welt insgesamt interessieren würde.

Der erste bescheidene Versuch liegt jetzt vor: In drei großen, weit gefassten Themenkreisen beantworten angesehene Autoren die Frage, wie sich das „Jüdisch sein heute“ manifestiert. Österreich macht den Anfang: Hier berichten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens über ihr Verhältnis zur Regierung, zu Behörden ebenso wie Künstler über ihr kreatives Umfeld. Sie definieren ihr sehr persönliches Verständnis des „Jüdischseins“ und in welchem Ausmaß sie dieses im Alltag leben. Der berühmte Spitzenmediziner und der erfolgreiche Unternehmer sprechen ebenso offen darüber wie die religiös-orthodoxe Judaistin oder die sozial engagierte Bucharin.

Im zweiten Abschnitt befinden wir uns „Zwischen den Welten“: Hier vergleichen eingewanderte Akademiker und im Ausland lebende Journalisten und Freiberufler die unterschiedlichen Bedingungen und Umgangsarten in Österreich mit den anderen Ländern, wo sie Erfahrungen sammeln konnten. Im dritten Teil wird die Außenansicht eingefordert. Wie beurteilen politische und kirchliche Beobachter die Veränderungen der letzten 15 Jahre in der Darstellung und Wahrnehmung von jüdischen Menschen?

Den abschließenden Höhepunkt bilden Porträts von Jugendlichen: Die Chancen der dritten Generation nach der Shoah werden hier hinterfragt und aus allen Wortmeldungen spricht ein positives, ungebrochenes Selbstverständnis: Diese Jugend erlebt das Jüdischsein nicht länger aus einem antisemitischen Reflex heraus. Nein, sie definiert und bestimmt es selbstbewusst.

Vielleicht hätte Leon dieses Resümee gefallen. Machen wir das „Jüdische Echo“ gemeinsam zu einer Plattform lebendiger, geistreicher Auseinandersetzungen: Daher lade ich Sie zum Mitdenken, Mitdiskutieren und sogar zum Streiten ein.

Marta S. Halpert

Das Jüdische Echo gehört auch künftig gehört.

Peter Schwarz, Vorstandsmitglied des Vereins „Das Jüdische Echo“ und Susanne Trauneck, die sich viele Jahre an der Seite von Leon Zelman um alle organisatorischen Belange des Jüdischen Echo gekümmert hat (und nach wie vor intensiv kümmert), haben mir im Sommer 2008 die vakante Position des Vereinsobmanns angeboten. Ich habe mich erst entschieden, das Erbe des legendären Gründers Zelman und des leider viel zu früh verstorbenen Alex Friedmann beim Jüdischen Echo anzutreten, als es uns gelungen ist, die international renommierte Journalistin Marta Halpert als neue Chefredakteurin zu gewinnen. Im besten Einvernehmen haben wir gemeinsam die Funktion, die künftige Positionierung und die journalistische Ausrichtung dieser wichtigen Jahrespublikation definiert. Marta und Susanne haben sich unverzüglich an die Arbeit gemacht, um das Erscheinen der Ausgabe 2008 und damit Kontinuität zu gewährleisten.

Die 57. Ausgabe des Jüdisches Echo ist dem facettenreichen Thema „Jüdische Identität“ gewidmet. Ohne Zweifel gehört sie zu den besten seit Bestehen dieser traditionsreichen Publikation. Mit großem Engagement ist es unserer neuen Chefredakteurin gelungen, hervorragende Persönlichkeiten für einen Beitrag zu gewinnen. Aus ihren Begegnungen mit interessanten Menschen hat Marta viel Interessantes zu Papier gebracht. Exzellenter Lesestoff, der Sie zum Nachdenken, Selbstreflexion, Diskutieren, Widerspruch und mehr animieren wird. Und hoffentlich auch das eine oder andere Mal zu Anerkennung.

Das Jüdische Echo wird auch 2009 deutlich und stark zu vernehmen sein. Mit Unterstützung durch ein engagiertes Team des JBBZ unter der Leitung von Maximilian Hasenauer jetzt auch online und somit weltweit.

Ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, dass es nicht so bald verstummt.

Leon Widecki

Grußbotschaften

Ich freue mich, dass es der Zeitschrift „Das Jüdische Echo. Europäisches Forum für Kultur und Politik“ gelungen ist, aus dem Geist des unvergesslichen Leon Zelman heraus einen redaktionellen Neustart in die Wege zu leiten.

Es ist wichtig, über das jüdische Leben innerhalb und außerhalb Österreichs kompetent und regelmäßig informiert zu werden.

In diesem Sinn sende ich Chefredakteurin Marta Halpert und ihrem neuen Team meine besten Grüße und Wünsche!

Dr. Heinz Fischer
Bundespräsident

   

Sehr geehrte Leserinnen und Leser! Am 11. Juli dieses Jahres wurde eine Gedenktafel für Leon Zelman am Palais Epstein enthüllt. Sie erinnert „an seinen unermüdlichen Einsatz, der der Erinnerung an die Shoah und dem Dialog zwischen dem heutigen Österreich und Opfern der NS-Verfolgung als Basis für eine gemeinsame Zukunft“ galt.

Es war mir ein Anliegen, dass eine der Initiativen, die der unvergessene Leon Zelman
gesetzt hat, die „Epstein-Vorlesungen“, nach seinem Tod vom Parlament als ein Teil
seines persönlichen Vermächtnisses wieder aufgenommen wurde.

Ich wünsche dem Team des „Jüdischen Echo“ bei der Weiterführung der Arbeit
im Sinne Leon Zelmans alles Gute, für den Neustart der Zeitschrift viel Erfolg und
dem „JüdischenEcho“ viele interessierte Leserinnen und Leser.

Mag.a Barbara Prammer
Präsidentin des Nationalrates

   

In unserer schnelllebigen Zeit ist es wichtig, sich auch auf seine kulturellen und
religiösen Wurzeln zu besinnen, um Identität zu schaffen und die Zusammengehörigkeit zu stärken. Unsere Aufgabe ist es, gerade in Phasen des Um- und Aufbruchs für Toleranz und Miteinander einzutreten. Für gelebtes Miteinander eintreten heißt, aufeinander zugehen, sich für den anderen einsetzen, voneinander lernen und den ständigen Dialog zu suchen. Die Zeitschrift „Das Jüdische Echo“ als eine wichtige Stimme eines lebendigen Judentums leistet einen wichtigen Beitrag dazu. Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieser Publikation wünsche ich auch für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg!

Dr. Erwin Pröll
Landeshauptmann von Niederösterreich

   

Die Zeitschrift „Das Jüdische Echo“ ist ein wichtiger Bestandteil der österreichisch-
jüdischen Medienlandschaft und hat weit über die Grenzen unseres Landes hinaus Bedeutung. Das jüdische Leben zu thematisieren und unser aller Blick zu schärfen für das respektvolle Miteinander – dies sind zwei notwendige und wichtige Aufgaben, denen sich „Das Jüdische Echo“ nun mit einem neuen Team stellt.

Ich wünsche Marta Halpert, Leon Widecki sowie allen, die mit großem Engagement an diesem Magazin mitwirken, viel Erfolg!

Dr. Michael Häupl
Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien

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Jüdisches Echo 2009